Ein Relaunch beginnt mit einer Entscheidung, nicht mit einem Design.
Wenn eine Website erneuert wird, steht oft zuerst das Erscheinungsbild im Raum. Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Ein guter Relaunch beantwortet vor dem ersten Layout drei Fragen: Wen soll die Website erreichen, welche Entscheidung soll sie erleichtern und welche Inhalte oder Funktionen stehen diesem Ziel heute im Weg?
Die Antwort muss nicht kompliziert sein. Für ein B2B-Unternehmen kann das zum Beispiel bedeuten: Das Angebot schnell einordnen, passende Referenzen oder Nachweise zeigen und eine qualifizierte Anfrage ermöglichen. Erst wenn diese Reihenfolge klar ist, tragen Struktur, Texte und Gestaltung dieselbe Aussage.
1. Vor dem Projekt: Zielbild und Bestand aufnehmen
Beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Welche Seiten erhalten Anfragen? Welche Begriffe bringen bereits Sichtbarkeit? Welche Dokumente, Formulare, E-Mail-Strecken oder Schnittstellen hängen an der aktuellen Website? Alles, was dabei unklar bleibt, wird beim Livegang zum Risiko.
- Zielgruppen: Welche Rollen informieren sich und was müssen sie vor einer Kontaktaufnahme verstehen?
- Geschäftsziel: Soll die Website erklären, Termine vorbereiten, Bewerbungen gewinnen oder bestehende Kunden unterstützen?
- Inhaltsinventar: Welche Seiten, Downloads und Bilder bleiben, werden überarbeitet oder bewusst entfernt?
- Technische Abhängigkeiten: Formulare, Tracking, Newsletter, CRM, Kalender, Login oder externe Dienste gehören in eine gemeinsame Liste.
Nicht jede alte Seite muss weiterleben. Jede URL mit Backlinks, Suchimpressionen oder einer klaren Funktion braucht jedoch vor dem Start eine Entscheidung: übernehmen, gezielt weiterleiten oder bewusst entfallen lassen.
2. Die neue Informationsarchitektur zuerst prüfen
Eine Navigation ist keine vollständige Struktur. Entscheidend ist, ob eine Interessentin von einer Google-Suche oder der Startseite aus ohne Umwege zur passenden Leistung gelangt. Für jede zentrale Leistung sollte es eine eigenständige Zielseite geben, die Problem, Vorgehen, Nutzen und nächsten Schritt erklärt.
Trennen Sie dabei Übersichtsseiten und Detailseiten sauber. Eine Leistungsübersicht ordnet das Angebot ein. Eine Detailseite beantwortet die Fragen zu einem konkreten Bedarf. Ratgeberartikel helfen bei der Entscheidung und verlinken anschließend auf die passende Leistung. So entsteht kein Sammelsurium aus Seiten, die alle dasselbe Keyword beanspruchen.
3. Inhalte und Weiterleitungen als gemeinsame Aufgabe behandeln
Beim Relaunch gehen organische Signale meist nicht wegen eines neuen Designs verloren, sondern weil alte URLs ohne Ziel verschwinden oder sehr unterschiedliche Themen auf eine einzige Seite weitergeleitet werden. Erstellen Sie deshalb früh eine Weiterleitungsliste. Sie ist zugleich eine Inhaltsentscheidung und eine technische Übergabe für die Entwicklung.
| Alte URL | Neue Zielseite | Prüffrage |
|---|---|---|
| Alte Leistungsseite | Passende aktuelle Detailseite | Bleibt die Suchintention erhalten? |
| Alter Ratgeber | Überarbeiteter Beitrag oder thematisch naher Guide | Erhält der Leser weiterhin eine vollständige Antwort? |
| Nicht mehr vorhandenes Angebot | Übergeordnete Leistungsseite | Ist das Ziel für einen Nutzer wirklich hilfreich? |
Eine permanente Weiterleitung ist kein Ersatz für eine gute Zielseite. Sie signalisiert Suchmaschinen und Besuchern aber sauber, wo der Inhalt künftig zu finden ist. Prüfen Sie zusätzlich interne Links, PDFs, E-Mail-Vorlagen und Social-Profile auf alte URLs.
4. Was vor dem Livegang technisch geprüft werden muss
- Indexierbarkeit: Die produktive Website darf kein versehentliches
noindextragen. - Canonical-URLs: Jede indexierbare Seite verweist auf ihre eigene, endgültige HTTPS-URL.
- Sitemap und robots.txt: Die Sitemap enthält nur erreichbare Zielseiten und ist in der robots.txt referenziert.
- Formulare: Versand, Bestätigungen, Spam-Schutz und Empfänger sind unter realen Bedingungen getestet.
- Mobilansicht: Navigation, Inhalte, Buttons und Formulare funktionieren ohne horizontales Scrollen.
- Messung: Consent, Analytics und relevante Conversion-Ereignisse werden nur aktiviert, wenn sie tatsächlich eingerichtet und datenschutzrechtlich geklärt sind.
5. Nach dem Livegang: beobachten statt sofort umbauen
Der Start ist der Beginn der Auswertung, nicht das Ende des Projekts. Reichen Sie die aktuelle Sitemap in der Google Search Console ein, kontrollieren Sie wichtige URLs und beobachten Sie Weiterleitungen sowie Formulareingänge. Schwankungen in den ersten Wochen sind nach einem Relaunch normal. Entscheidend ist, ob wichtige Zielseiten erreichbar, indexierbar und inhaltlich klar sind.
Ändern Sie nicht gleichzeitig jeden Titel, jede URL und jede Seite. Erst wenn Daten und Nutzerverhalten ein klares Problem zeigen, lohnt sich eine gezielte Anpassung. Das hält die Ursachen nachvollziehbar und vermeidet unnötige neue Risiken.
Typische Fehler, die sich vermeiden lassen
Häufig wird der Zeitplan vom Design bestimmt, während Texte, Weiterleitungen und Formulare erst kurz vor dem Livegang geprüft werden. Das führt zu hektischen Entscheidungen und zu Seiten, die zwar fertig aussehen, aber noch keine klare Aufgabe erfüllen. Ebenso problematisch ist ein pauschales Weiterleiten aller alten URLs auf die Startseite. Besucher finden dort selten die erwartete Antwort.
Besser ist ein kontrollierter Start mit einer kleinen Liste geschäftskritischer Seiten: wichtigste Leistungen, Kontakt, Anfrage, rechtliche Seiten und die URLs mit bestehender Sichtbarkeit. Diese Seiten werden vorab von echten Nutzern ausprobiert. Erst wenn sie funktionieren, ist ein optischer Feinschliff wirklich der letzte Schritt und nicht eine Ablenkung vom Wesentlichen.
Weiterführende Quellen
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